Vor einigen Jahren entdeckte ich für mich im Guggenheimmuseum in New York den Videokünstler Bill Viola. Mit aufwändigen Inszenierungen bringt er religiöse und gesellschaftskritische Themen auf die Leinwand und ins Museum. Schon bei Viola fasziniert mich der Aufwand um ein bis ins kleinste Detail geplantes Werk zu erschaffen. Ganz ähnlich ist es mir bei den Werken von Gergory Crewdson ergangen. Auch er plant schon früh seine Werke bis ins kleinste Detail. In der zwischen 2003 und 2005 entstandenen Serie Beneath the Roses geht Crewdson soweit, dass er ganze Strassenzüge absperren lässt, riesige Lichtaufbauten erstellen lässt um seine Bilder zu kreieren.

Dem 1962 in Brooklyn, NewYork geborenen Crewdson widmet das Fotomuseum Winterthur nun eine umfassende Werkschau welche die letzten zwanzig Jahre seines Schaffens umfasst. Passend zum Schaffen von Gregory Crewdson ist die Ausstellung nach einem cleveren Inszenierungsschema aufgebaut. So beginnt sie nicht mit seinem bekanntesten oder jüngsten Werk. Als erstes kriegt der Besucher ein Bild aus der zwischen 1998 und 2002 entstandenen Serie Twilight als Einstieg zu sehen. Ein typisch amerikanisches Vorstadthaus, noch nicht ganz fertig gebaut. Aufgenommen an einem trüben Spätnachmittag. Anders als die Nachbarshäuser ist dieses Haus in allen Räumen hell erleuchtet. Gerade das Licht und die Lichtführung spielen im Werk von Crewdson eine wichtige Rolle. So wie seine Bilder ganze Geschichten filmisch umsetzen und in einem einizige Moment einzufrieren vermlgen, so nutzt er auch die technischen Mittel des Filmes und leiht sich aus der Filmwelt sogar ihre Gesichter für seine Werke aus, in dem er mit einer Julianne Moore oder einem genialen William Macy als Model zusammenarbeitet.

DreamHouseWie wichtig das Licht und Inszenierung ist, zeigt sich in diesem Werk aus der Serie Dream House. Eine Mutter liegt auf einem beigen Stoffsofa, auf dem grünen Teppich liegt ihre Tochter am Schlafen, vor ihr einige Blätter der Hausaufgaben. Der Fernseher läuft und taucht die beiden in ein bläuliches Licht. Auf dem Balkon, völlig umgeben von blühenden Blumenstöcken schaut der Ehemann und Vater durch die geschlossene Scheibe in den Raum, abgekapselt von seiner Familie, umgeben von seinem neurotischen Hobby. Ein Baulampe erhellt den Mann, hebt ihn aus seiner Umgebung hervor. Und lässt ihn noch einsamer und verloren erscheinen.

Nach und nach taucht man immer mehr in dieses filmische Fotowerk ein, entdeckt die Anfänge des Künstlers und findet Themen und Ideen wieder, die er später grösser, theatralischer umgesetzt hat. Ergänzt wird die Ausstellung durch einen kurzen Film über die Arbeitsweise von Crewdson, realisiert 2004 von Ben Shapiro. Nicht nur kann man den riesigen Aufwand miterleben, mit welchem Crewdson seine Bilder inszeniert. Man erfährt auch mehr über den Hintergrund des Werkes. Und so eröffnet sich die Sicht Crewdson auf sein eigenes Werk als eine zweite von vielen möglichen Betrachtungs- und Interpretationsweisen seiner Bilder.

Zu entdecken noch bis am 20. August 2006 im Fotomuseum Winterthur

Bilder:
1) Untitled, aus der Serie Dream House, 2002
Digitaler C-Print, 73,7 x 111,8 cm
Courtesy Luhring Augustine, New York
© Gregory Crewdson