Di 13 Jun 2006
Seit heute Abend ist Basel einmal mehr zu der Kunst-Stadt mutiert. In der Messehalle hat die ART | 37 | Basel ihre Türen geöffnet. Noch bis am 18. Juni findet dieses Eldorado der Internationalen Kunstwelt statt und bietet einen interessanten Einblick in den Kunstmarkt. Rund 300 Galerien aus aller Welt präsentieren die Werke ihrer Künstler, von der klassischen Malerei über Skulpturen bis zu Videokunstwerken. Mich hat vor allem interessiert, wie stark die Fotografie im Kunstmarkt vertreten ist und fast noch wichtiger, welche Fotografen gezeigt werden und welche Art von Bilder es zu kaufen gibt.
Gleich beim Eingang sind mir dann auch mehrere Werke des PopArt-Künstlers Andy Wahrol aufgefallen. Er hat die Abzüge von vier Portraits der gleichen Person ganz einfach mit der Nähmaschine auf schwarzen Fotokarton aufgenäht und hinter Glas gerahmt. Gesehen bei Cheim & Read. Und gleich bei der nächsten Galerie wieder ein Warhol als einziges ausgestelltes Fotokunstwerk. Der Anfang war dann auch gleich symbolisch für den grössten Teil der ART. Fast jede Galerie hat auch Fotografien ausgestellt. Aber nicht nur. Und es sind meist die grossen Namen. So findet man Fotos von Diane Arbus, Lee Friedländer, den Bechers, Nan Goldin, Robert Frank, Jeff Wall und so weiter und so fort. Neue Künstler aus dem Bereich der Fotografie muss man schon etwas suchen gehen. Etwa eine Lucinda Devlin, ein Yendoo Jung, Izima Kaoru oder eine Helen Levitt.
Wirklich fasziniert hat mich aber das Werk des 1974 in Dublin, Irland geborenen John Gerrard. Dieser präsentiert an der ART seine Image / Object. In weissen, hochformatigen Kästen befindet sich je ein Bildschirm. Darauf etwa ein Computermodel eines Baumes, ein ins Wasser gesprungene Mann oder das Portrait einer jungen Frau. Während sich beim Baum das Laub bewegt, zwinkert einem die Frau in regelmässigen Abständen zu. Der eigentliche Clou des ganzen Werkes besteht jedoch darin, dass sich diese Boxen drehen lassen. Hier darf der Besucher also mal anfassen. Und macht er dass, so dreht sich das Modell ebenfalls um seine eigenen Achse, der Besucher fährt um das Objekt herum. Bei dem Mann im Schwimmbecken ist Gerrard sogar noch ein Schritt weiter gegangen. Dort bewegt sich auf den ersten Blick nichts, ausser dass man durch Drehen des Kunstwerkes auch das Modell dreht. Wer sich das Kunstwerk, welches in einer Auflage von 5 Exemplaren hergestellt wurde, anschafft, der wird merken, dass sich das Wetter und das Licht der realen Welt anpassen. Wenn es Tag ist, ist auch im Modell Tag, in der Nacht wird dann das Wasser hell erleuchtet. Im Winter schneit es, im Sommer ist es heiss. Das ganze in realer Zeit. Wer sich das Kunstwerk also vollends ansehen will, muss es sich ein Jahr lang ansehen. Gerrard selber hat das Medium der Computeranimation erst vor kurzem entdeckt. Zum Glück. Er setzt es mit Spannung und Witz ein und man kann nur hoffen dass die Techniken aus der 3D-Welt und aus den Animationsstudios der Filmbranche vermehrt Einzug in die Kunstwelt finden.
Zu bestaunen noch bis am 18. Juni an der ART, Messe Basel.
Bilder:
Alle Bilder © Alain Nicolas Lavanchy. Zum Vergössern: anklicken
