Do 13 Jul 2006
Sie ist ein Mädchen wie jedes andere auch. Spielt keck mit der Fotografin, verbirgt sich mit den Händen das Gesicht und lacht so herzlich und ehrlich, wie nur Kinder lachen können. Roshan Qasem ist elf Jahre alt und lebt in Afghanistan. Neben ihr der 55 jährige Said Mohammed. Er der ruhige ältere Mann, ihm ist die Anwesenheit der Kamera nicht ganz geheuer. Eigentlich ein schönes Bild aus einer afghanischen Familie, das uns Stephanie Sinclair da präsentiert. Wäre da nicht die Tatsache, dass Roshan die Ehefrau von Said ist.
In einige Regionen der Welt ist es nicht das Gefühl von Nähe und Liebe, welche ein Ehepaar zusammenschweisst. Die Heirat wird zu einer Handelstransaktion. Die Frau, bzw. das Mädchen, gegen Geld. Je jünger ein Mädchen verkauft wird, desto höher ist ihr Preis.
Die amerikanische Fotojournalistin Stephanie Sinclair begann nach ihrem Studium im Bereich Journalismus und Kunstfotografie für die Chicago Tribune zu arbeiten, fotografiert unter anderem im Irak den Krieg. Fasziniert von der Region gibt sie ihre Stelle nach fünf Jahren auf und zieht in den Irak, dann nach Beirut in den Libanon. Ihre Reportagen haben etliche Preise gewonnen, etwa ein erster Preis beim World Press Photo oder eine Goldauszeichnung am Festival Visa Pour L’Image in Perpignan.
Sinclair präsentierte nun im New York Times Magazin vom letzten Sonntag ihre Bilder zu den Kindern, die verheiratet werden. Es sind beklemmende Bilder, junge Mädchen die sich ihrem Schicksal fügen müssen, deren Augen die innere Leere und Resignation verraten. Und auch wenn ihre noch kindlicher Art sie dennoch zum Lachen bringt, das Kopftuch zum damit herumtanzen gebraucht werden kann, es bleibt einem die Freude an solchen fröhlichen Bildern im Halse stecken. Denn es gibt noch die anderen Bilder. Das junge Mädchen inmitten der viel älteren Männergesellschaft, der verlorene Blick neben dem Ehemann, welcher der eigene Grossvater sein könnte. All diese Bilder lassen erahnen, was diese Mädchen durchmachen müssen.
Mit der Arbeit beweisst Stephanie Sinclair nicht nur, dass sie eine der aktuell besten Reportagefotografinnen ist, sie bringt auch ein Thema auf den Tisch, dass nicht nur in Afghanistan zu finden ist. Denn Kindsbräute werden auch in Indien, den afrikanischen Staaten und anderen Drittweltländern verkauft. Millionen von Mädchen werden so zu Mütter, bevor sie überhaupt erwachsen sind, erwachsen werden dürfen.
(Bilder: Stephanie Sinclair für The New York Times, oben; unbekannt, mitte)
Zu finden in New York Times Magazine vom 9. Juli oder online unter
http://www.nytimes.com/2006/07/09/magazine/09BRI.html?_r=1&oref=slogin
Links:
The New York Times
Stephanie Sinclair
