Heinrich Heidersberger ist totLetzten Freitag ist der deutsche Fotograf Heinrich Heidersberger, fünf Wochen nach seinem 100. Geburtstag verstorben. Der in Ingoldstadt geborene Heidersberger dokumentierte den Wiederaufbau Deutschlands nach dem Krieg. Im Mittelpunkt seines rund 75000 Bilder und Negative umfassenden Werkes standen Industrie- und Architekturaufnahmen, hauptsächlich aus der Umgebung Wolfsburg, wo er seit 1961 lebte. Seine Aufnahme des Kraftwerkes der Volkswagen AG von 1971 ist unter anderem im New Yorker Museum of Modern Art zu sehen.

Heidersberger, der erst vor wenigen Jahren die Kamera aus der Hand gelegt hatte, war ein gewissenhafter Arbeiter. Für viele seiner Bilder wartete er stundenlang auf das richtige Licht, duldete keine Kompromisse. So erstaunt es auch nicht, dass er seine Abzüge in der Dunkelkammer selbst anfertigte. Er bastelte sich eigenen Apparate, rührte die Chemikalien selber an und erzielt so meist auf Barytpapier gefertigte Abzüge mit riesiger Auflösung, satten Kontrasten und reichen Tonwerten.

Nach einem Jahr Architekturstudium in Graz ging er 1928 nach Paris um Maler zu werden und nahm beim berühmten Maler Fernand Léger Unterricht. Verärgert über die schlechten Reproduktion in der Malerei wandte sich Heinrich Heidersberger jedoch der Fotografie zu. „Meine erste Kamera stammt vom Pariser Flohmarkt, die ersten Filme habe ich nachts im Mondschein entwickelt“, erinnerte sich Heidersberger vor Jahren in seinem Atelier im Schloss Wolfsburg.

Über mehrere Zwischenstation kam Heidersberger Mitte der 1930er Jahre zurück nach Deutschland und wurde 1939 als Industriephotograph in den Stahlwerken Braunschweig angestellt. Daneben war er als einer der ersten Photographen für das junge Magazin Stern tätig. Über seine Reportagen wurden die Architekten der „Braunschweiger Schule“ auf ihn aufmerksam und beauftragen ihn, den Wiederaufbau der Bundesrepublik fotografisch zu dokumentieren.

Kraftwerk Volkswagen AGGeprägt durch die spätere Zusammenarbeit mit den Architekten Alvar Aalto, Walter Henn, Friedrich Wilhelm Kraemer und Dieter Oesterlen versuchte Heinrich Heidersberger in seinen Fotografien eine Verbindung zwischen Technik, Wissenschaft und Kunst herzu stellen. Die Bauten forderten geradezu einen neue Art des Fotografierens, welche die Funktionszusammenhänge erkennen liessen. Die Aufnahme des Kraftwerkes der Volkswagen AG von 1971 zeigt exemplarisch Heidersbergers Streben nach einer Versöhnung von Kunst und Technik, künstlerischem und seinem handwerklichen Anspruch an sein Werk.

Seit 2002 wird das riesige Werk von Heidersberger durch das eigens geschaffene Institut Heidersberger in Wolfsburg aufgearbeitet. Dieses präsentiert anlässlich des 100. Geburtstages von Heinrich Heidersberger noch bis am 6. August diverse thematische Ausstellungen.

Bilder:
Selbstportrait, Heinrich Heidersberger (oben)
Kraftwerk der Volkswagen AG, 1971, Heinrich Heidersberger (mitte)

Links:
Institut Heidersberger