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Schwarze Götter im Exil
Posted By Alain Nicolas Lavanchy On 20th Juli 2006 @ 13:54 In Int. Fotografie | Keine Kommentare
Der Mann ist gut gekleidet, trägt einen schicken Hut, und unter dem Mantel ein Halstuch. Er steht mitten in Harlem, verschwommen sind im Hintergrund die mehrstöckigen Wohn- und Geschäftshäuser zu sehen. Sein starrer Blick in eine Leere hinein verrät aber auch, dass der schwarze Mann hier nicht wirklich zuhause ist.
Eingefangen hat dieser Blick der Fotograf, Journalist und Ethnologe Pierre Verger. Wie kein anderer Fotograf hat Verger die wechselseitigen kulturellen Beziehungen und den kontinuierlichen Wissenstransfer zwischen Europa, Afrika und den beiden Amerikas im 20. Jahrhundert untersucht. Nach Berlin ist sein Werk nun auch im Basler „Brasilea“ zu entdecken.
Vor etwas mehr als 200 Jahren wurde auf Haiti die Sklaverei abgeschafft und die erste „Republik schwarzer Bürger“ in der Neuen Welt errichtet. Laut der Unesco wurden von den Europäern bis dahin 12 bis 15 Millionen Sklaven in die Neue Welt verschleppt, ein grosser Teil von ihnen nach Brasilien. Bis heute konnten diese Menschen ihr kulturelles Erbe in der Form zahlreichen Bräuchen bis heute erhalten. Es lebt weiter im haitischen Voudou oder dem brasilianischen Candomblé.
Der 1902 in Frankreich geborene Pierre Verger begann 1932 nach dem Tod seiner Eltern zu fotografieren. Zusammen mit dem Fotografen Pierre Boucher bereiste er die UdSSR, die kleinen Osterinseln oder Thaiti. 1934 kehrte er kurz nach Paris zurück. Von seinem alten bürgerlichen Leben hatte Verger und so verliess er 1935 Frankreich und reiste nach Schwarzafrika. Von da an ist das Leben von Pierre Verger eine schier unendliche Reise: Togo, Timbuktu, die USA, China, Frantösisch-Indochina. Die Liste könnte noch lange fortgesetzt werden.
1946 erreichte Verger die damalige Hauptstadt Brasiliens, Salvador da Bahaia. Fasziniert von den vielen unterschiedlichen nebeneinander existierenden Kulturen, wurde Brasilien zum Kernpunkt von Vergers Leben und Arbeit. Die in Brasilien und auf unzähligen weiteren Reisen entstandenen Bilder bilden ein einzigartiges Gesamtwerk, welches ganze Generation von Künstlern, Literaten und Wissenschaftlern beiderseits des Atlantiks beeinflusste.
Mit Brasilien wurden auch die Nachkommen der verschleppten Sklaven zu Vergers Hautthema. Seine Bilder zeugen vor allem von der unbändigen Lebensfreude, Schönheit und dem Stolz dieser Menschen. Kaum noch ist etwas von der anhaltenden Unterdrückung zu spüren. Es sind Bilder voller Respekt und doch mit einer selten gesehenen Nähe zu den Portraitierten. Dadurch wirken die Bilder auch echt und drohen nicht ein folkloristisches Klischee zu bedienen.
Die Ausstellung „Schwarze Götter im Exil“ ist noch bis am 17. August im „Brasilea“ im Basler Rheinhafen zu sehen. Parallel zur Ausstellung ist ein Buch zum Werk von Verger im Wunderhorn Verlag erschienen.
Schwarze Götter im Exil
bis 17. August 2006
[1] Brasilea
Westquai 39
CH - 4019 Basel
Das Buch zur Ausstellung
[2]
Pierre Verger
[3] Schwarze Götter im Exil
351 Seiten
Wunderhorn-Verlag
EUR 49.90
[4] Kaufen bei amazon.de
Bild
Harlem, New York, 1934 - Pierre Verger
Links
[1] Brasilea
[6] Ausstellung “Schwarze Götter im Exil”
[7] Pierre Verger
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[6] Ausstellung “Schwarze Götter im Exil”: http://www.schwarze-goetter-im-exil.de
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