Wagi-Areal, SchlierenSchlieren, eine typische Agglomerationsstadt im Westen von Zürich. Der grösste Teil der Erwerbstätigen der 13000 Einwohner pendelt in die nahe gelegene Grossstadt zur Arbeit, gleich viele Menschen machen das gleiche in die umgekehrte Richtung. Die meisten der über 10000 Arbeitsplätze in Schlieren entstanden auf umgenutzten ehemaligen Industriearealen. Und immer noch befindet sich die Stadt in einem enormen Wandel. Ein Langzeitfotoprojekt der HGKZ soll nun Schlierens Veränderungen der nächsten 15 Jahre aufzeigen.

Fotografische Langzeitbeobachten dürfen sicher zur Köngisklasse der Dokumentarfotografie gezählt werden. Erst durch das Festhalten von Veränderungen im Laufe der Zeit entwickeln solche Bilder ihre enorme Kraft. Solche Projekte sind nicht nur aus fotografischer Sicht spannenden, sondern dienen vielen verschiedenen Forschungsbereichen als Basis ihrer Untersuchungen. Ulrich Görlich, Leiter des Studienbereichs Fotografie an der Hochschule für Kunst und Gestaltung (HGKZ) will nun zusammen mit der Dozentin Meret Wandler die Beobachtung selber untersuchen. Schlieren dient ihnen als „Laborsituation“ zur Erarbeitung und Umsetzung neuer Formen der fotografischen Beobachtung.

Der Ort bietet ihnen einen idealen Forschungsplatz. Anders als viele andere Agglomerationsgebiete ist Schlieren noch mitten im Prozess der Umnutzung alter, brachliegender Flächen. So ist dann das Stadtentwicklungskonzept von Schlieren auch der Ausgangspunkt für die Langzeitdokumentation. Diese soll während der nächsten 15 Jahre aufzeigen, wie sich die geplanten Massnahmen auf Schlieren auswirken. In einer ersten fotografischen Bestandesaufnahme sind nun 147 Bilder entstanden. Diese zeigen vor allem die wichtigen Entwicklungsgebiete, etwa das Wagi-Areal, auf welchem sich ein aufstrebender Biotechnologie-Sektor gebildet hat.

Das im ersten Jahr des Projektes entstandene Konzept teilt die Bilder in Übersichts- und Detailaufnahmen auf. Dadurch sollen sowohl prägnante Eingriffe im Stadtbild, etwa eine Grossüberbauung, als auch die kleinen, sich langsam abwickelnden Veränderungen erfasst werden. Während die Übersichtsbilder alle zwei Jahre neu erfasst werden, sollen die themenbezogenen Detailbilder alle fünf Jahre erneuert werden. Das gesamte Material wird in einem Bildarchiv anschliessend erfasst und über die Internetseite www.beobachtung-schlieren.ch online zugänglich gemacht.