Di 29 Aug 2006
Der 1937 geborenen Ed Ruscha sah sich immer als Künstler und nicht als Fotograf. Seine Fotos dienten ihm häufig als Inspiration und Vorlage für ein darauf aufbauendes Kunstwerk. Dazu sammelte er die Fakten des Lebens, stellte daraus Bildreihen zusammen, etwas die Häuser des Sunset Strip. Bis vor kurzem war vor allem sein fotografisches Werk in seiner Bedeutung kaum erfasst worden. Das zur gleichnamigen Ausstellung erschienene Buch Ed Ruscha – Photographer holt dies nun nach.
Der 1937 in Ohama im Bundesstaat Nebraska geborene Edward Ruscha wollte in seiner Jugend erst Comiczeichner, dann Werbegrafiker werden. So bewarb er sich nach seiner Schulzeit an der Art Center School für einen Studienplatz. Die zu jener Zeit renommierteste Werbegrafikschule lehnte ihn jedoch ab. Er zog dennoch nach Los Angeles, schrieb sich 1956 am Chouinard Art Institute, dem heutigen CalArts, ein und belegte Atelier- und Kunstgeschichtekurse. Als Kunststudent kaufte er sich im selben Jahr eine zweiäugige Yashica-Kamera und begann mit dem Fotografieren.
Während meiner Zeit auf der Kunstschule begann ich Fotos zu machen, allerdings nicht ernsthaft. Ich mochte die Idee, das Hier und Jetzt einzufangen, eine unmittelbare Realität, die bewertet und dann in einem Gemälde verwendet werden konnte. - Ed Ruscha
So sind die ersten Bilder dann auch Stillleben einer zusammengerollten Zeitung, eines Tellers mit darauf ausgelegten Nägeln oder die Front eines alten 1939er Fords. Und schon bald interessieren Werbeschilder und Logos das Interesse des jungen Ruscha. Speziell auf einer Europareise mit seiner Mutter und dem Bruder fotografiert er Schaufensterdekorationen, Logos oder Schriftzüge wie der weltbekannte „Metropolitain“ – Schriftzug der Metro von Paris. Besonders auf dieser Reise schimmern die Vorbilder des jungen Ed Ruscha durch: Eugène Atget, Walker Evans oder Robert Frank.
Zurück in den USA entfernte sich Ed Ruscha von einer durch Anregung und Impressionen inspirierten Fotografie und begann systematisch an ein bestimmtes Thema heranzugehen. In einer ersten Serie fotografiert er Alltagsprodukte: eine Blechflasche mit Autowachs, ein Stück Seife, die Supendose von Campbells. Einige Jahre später taucht genau diese Dose dann beim Pop-Art Künstler Andy Warhol in hundertfacher Vervielfältigung wieder auf.
Ed Ruscha entwickelte diese systematische Herangehensweise an ein Thema weiter und begann 1962 sein ersten Fotobuch zu konzipieren: „Twentysix Gasoline Stations“. Wie bei seinen meisten darauf folgenden Fotobüchern hatte er auch hier erst den Titel des Buches festgelegt und begann danach mit der Arbeit an den Fotos.
Twentysix Gasoline Stations zeigt 26 Tankstellengebäude im Süden der USA. Verschiedenen Skizzen zeigen, wie sich Ed Ruscha vor allem für das Zusammenwirken der Architektur der Tankstellen mit den riesigen Werbeschildern interessierte. Die serielle Herangehensweise an ein einzelnes Objekt mag eine Verbindung zu den Bernd und Hilda Becher nahe legen. Anders als die Bechers konzentriert sich Ed Ruscha allerdings nur auf das eigentliche Objekt: die Tankstellen. Die Lichtverhältnisse seiner Bilder ähneln eher einem Walker Evans und in einem Bild ist sogar Ruschas eigener Schatten zu sehen. 1963 publiziert er das Buch und wurde dadurch als Fotograf erst richtig bekannt.
Bis 1978 folgten weitere fünfzehn Fotobücher und alle zeigten die Variationen eines Themas: die Parkplätze vor den Shopping Mals, die Gebäude am Sunset Strip oder 1968 eine in Farbe fotografierte Serie „Nine Swimming Pools“. All seine Bücher produzierte Ed Ruscha meist selber und verlegte sie in einer kleinen Serie. Damit war er einer der Vorreiter der PopArt, welche das mechanische Vervielfältigen von Bilder zu eines seiner zentralen Themen macht. Man denke nur an die Siebdrucke des Marilyn Monroe Portraits von Andy Warhol.
Ed Ruscha – Photographer bietet einen spannenden und interessanten Einblick in das fotografische Werk dieses Künstlers. Wie schon die Ausstellung verschenkt leider auch das Buch etwas das Potenzial, das fotografische Werk Ruschas in sein gesamtes künstlerisches Werk einzuordnen. Und für ein Künstler, der die Fotografie immer nur als Hobby angesehen hat und diese oft als Vorstudie für darauf aufbauende Kunstwerke genutzt hat, ist dies sehr schade. Nichts desto trotz gibt Ed Ruscha – Photographer einen spannenden Einblick in ein Werk, welches die Künstler des PopArt massgeblich beeinflusst hat.
Das Buch
Ed Ruscha
Ed Ruscha - Photographer
184 Seiten
Steidl - Göttingen
EUR 30.00
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Bilder
Oben - Pool #8 - Ed Ruscha, 1968
Mitte - Campbell’s Vegetable Beef Soup - Ed Ruscha, 1961
Unten - Ed Ruscha in Paris - Ed Zak
