Mo 11 Sep 2006
Ein Bild alleine mag gefallen oder nicht. Es mag technisch einwandfrei erstellt worden sein. Aber alleine teilt es uns meist schrecklich wenig mit. Er zusammen mit der Bildlegende, einer Erläuterung zum Bildinhalt, entwickelt es seine volle Kraft.
Nach dem ersten Teil zeigt der zweite Teil nun was eine Bild-Text-Schere ist, wie die Bildlegende mit dem Layout zusammenspielt und bietet einige Tipps für gute Bildlegenden.
Bild-Text-Schere
Eine Bild-Text-Schere bezeichnet eine Bildlegende, deren Inhalt nicht mit dem Inhalt des Bildes korrepsondiert. So hat etwa die Schweizer Zeitung Der Bund zum Bild zweier Männer welchen Tierkäfige aus einem Tierheim tragen folgende Legende geschrieben: “Die möglichen Gefahren einer Vogelgrippe-Pandemie geben den Krisenplanern zu denken.” Bei genauem Hinsehen sind auf dem Bild Katzen zu sehen und die beiden Herren sind wohl kaum die Planer, eher die welche den Plan ausführen.
Grundsätzlich muss eine Bild-Text-Schere nicht zwangsläufig zu einer schlechten Bildlegende führen. In vielen Fällen passt sie aber dann doch nicht wirklich und verwirrt mehr als dass sie zum Lesen anregt.
Bildlegende und Layout
Für die Gestalter einer Zeitung ist die Bildlegende oft eher ein notwendiges Übel als eine grosse Freude. Wo soll sie den nur platziert werden? Entweder sie kommt dem Lauftext in die Quere oder dem Bild.
Grundsätzlich stehen Bildlegenden unter oder neben dem Bild. Ist sie neben dem Bild platziert, so muss die Legende im Flattersatz und ohne Trennungen platziert werden. Wichtig ist, dass sie gut zu lesen ist.
Eine Bildlegende sollte nicht im Bild stehen, denn ein Bild hat keine leeren Stellen. Zudem sind Bildlegenden in Bilder häufig schlecht zu lesen. Weisse oder farbige Legenden sind oft unleserlich. Ebenfall schlechter lesbar sind kursiv gesetzte Bildlegenden.
Vor allem in Magazinen und Boulevardblätter kann die Bildlegende die gleiche Länge und Bedeutung erhalten, wie ein Lead. Das Bild zusammen mit der Legende ist schon fast ein Mini-Artikel in sich.
Einige Tipps zum Verfassen guter Bildlegenden
Obwohl die Kleintexte, zu denen die Bildlegenden gehören, noch am ehesten von den Lesern gelesen werden, wird dafür in den Redaktionen die wenigste Zeit aufgewendet.
Will man also eine gute Bildlegende verfassen, kann man einige Punkte beachten:
- Laut lesen, was man schreibt. Holpert es, liest es sich auch nicht leicht.
- Sich etwas Zeit nehmen, für die Legenden. Sie sind zu wichtig um in Null-Komma-Nichts geschrieben zu werden.
- Vorsicht bei Farbangaben. Der Druck und die Sehgewohnheiten jedes Einzelnen sind unterschiedlich.
- Die Zielgruppe und das Ressort beachten. Was für Informationen sind für meine Leser wichtig.
- Normalerweise braucht jedes Bild eine Legende, keine Sammellegenden.
- Je näher man dem Bild ist, desto genauer will man wissen, wo es gemacht wurde. Dies ist insbesondere im Lokaljournalismus wichtig und schafft eine Nähe zum Leser, wodurch eine höhere Leserbindung erzielt werden kann.

September 14th, 2006 um 17:46
Hallo Nicolas,
eine super Serie die sehr hilfreich ist!
Zum Layout-Teil würde ich mir aber noch mehr Infos/Beispiele wünschen.
Gerade weil die Dinger so schwierig zu platzieren sind (ich spreche aus Erfahrung).
Sollte die Schrift, in Anbetracht der Wichtigkeit, gleich groß mindestens wie der Copytext sein? Ich hab ihn immer deutlich kleiner gesetzt, wahrscheinlich also ein Fehler.
Würde mich über gutgelöste Legenden-Layout-Beispiele freuen!
September 15th, 2006 um 0:48
Hallo Waldemar
Besten Dank für den Kommentar und den Input. Ich mache gerne noch einen Teil speziell zu dem Layout.