Eiszeit in der Weltwoche (Bild: Martin Trezzini / Keystone)Es scheint eine andere Welt zu sein, überall Eis und Schnee. Die Bäume mit Dornen aus Eiszapfen, wie ein skurriles Objekt aus einer fremden Welt das sportliche Auto in seinem Eispanzer. Fehlt nur noch Batman, der Mr. Frost vertreibt. Der fotografierende Vater mit seinem Sohn lassen erahnen, dass nicht Hollywood am Werk war, sondern Mutter Erde. Es sind diese starken Bilder, welche in der aktuellen Weltwoche die visuellen Höhepunkte setzen.

Von einem etwas zu künstlichen Portrait von Jerry Bruckheimer (E.J. Camp / Corbis Outline) über eine historische Fotografie einer Postkutsche (Photocrom Collection / Keystone) bis zum knalligen, laut schreienden Orgasmusbild eines David LaChapelle, die Weltwoche nutzt in ihrer aktuellen Ausgabe (Nr. 6 – 2007) die unterschiedlichsten Bildsprachen zur Illustration der Texte. Dieser Stilmix mag gefallen oder nicht, der Versuch dem Leser ein starkes, überzeugendes Bild zu präsentieren zeigt sich jedoch durchs ganze Heft hindurch. Das dies nicht immer funktionieren kann, einige Bilder nicht gefallen oder passen, ist nahe liegend, verständlich und kaum vermeidbar.

So ist das Foto (Sebastian Hoppe) des deutschen Michael Schindhelm, ehemaliger Theaterintendant von Basel, zwar ein visuell stimmig komponiertes Portrait, aber auch nicht mehr. Anders das bereits erwähnte Foto des amerikanischen Erfolgsproduzenten Jerry Bruckheimer. Die Hautfarbe hat etwas von einer Bronzestatue, das Hauptlicht von hinten betont die Konturen des Haarwirbels und der entschlossenen Schulterhaltung. Ein Mann der weiss was er will, und vor allem was er schon hat.

Der Zürcher Stadtpräsident Elmar Ledergerber sitzt dagegen auf seinem Züri-Velo. Lächelt etwas verlegen in die Kamera. Ein technischer gelungenes Familienfoto (Marcel Nöcker / RDB). Das Bild soll zeigen, dass Ledergerber im schweizerisch-deutschen Streit um den Fluglärm von Zürich Kloten sich gegen die deutschen Einschränkungen wehren will. Die Weltwoche findet das gut, im Bild ist jedoch nichts davon zu sehen, schade.

Während in der Bildsprache die Grenzen gesucht werden, man sich vor dem Ausprobieren neuer Ideen selten scheucht, ist das Layout immer das gleiche: klar, sicher, etwas langweilig. Würde man auch im Layout und der Typografie an die Grenzen gehen, würde dann aber schnell die Gefahr des Overkills drohen. Viele Magazin die hipp und in sein wollen, machen es uns vor. Und so schafft vielleicht gerade das klassische, ruhige Layout den Raum, um in der Bildsprache in Zukunft hoffentlich noch konsequenter an die Grenzen zu gehen.

Bei aller Kritik muss man an dieser Stelle der Weltwoche allerdings auch zugute halten, dass aufgrund personeller Wechsel im visuellen Bereich die alte Stärke erst wieder erreicht werden muss. Und die aktuelle Nummer zeigt auf jeden Fall, dass das Team genau das macht.

Zum Heft – WeltwocheTitelseite der Weltwoche, Ausgabe 08.02.2007
Chefredaktion: Roger Köppel
Art-Direktor: Nathan Aebi
Stv. Art-Direktor: Philippe Desarzens
Bildchefin: Susanne Meures
Bildredaktion: Sybil Tschopp
Gestaltungskonzept: Müller+Hess

Umfang: 76 Seiten
Werbung: 13 Seiten (davon 6 Inserate mit Textanschluss)
Auflage: 82849 verkaufte Exemplare (WEMF, 2006)
Format: A4
Druck: durchgehend vierfarbig
Erscheinungsweise: wöchentlich
Preis: 3.90 € / 5.70 SFr.

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Oben: Martial Trezzini, Keystone