Mi 21 Feb 2007
Während lange Zeit das Pressebild den Profis vorbehalten war, sind spätestens nach den Terror-Anschlägen in New York und London Amateurbilder immer häufiger in der Presse zu finden. Das Lausanner Museum Elysee widmet der Entwicklung der Amateurfotografie aktuell eine umfassende Ausstellung. Von den Anfängen mit der Kodak Brownie bis zu den aktuellen Trends im Internet zeigt We are all photoraphers now, wie mit der digitalen Fotografie eine Gesellschaft entstanden ist in der Kameras omnipräsent sind.
Gleich zu Beginn der Ausstellung bekommt der Besucher dies zu spüren. Eine Kamera zeigt ihn im Eingangsbereich auf einem Laptop an. Der Betrachter wird selber zum Bestandteil der Ausstellung. In einem kurzweiligen Mix präsentiert das Team um Museumsdirektor William Ewing wie leicht zu bedienende und erschwingliche Kameras das Medium Fotografie in den letzten Jahren verändert haben.
Der Schwerpunkt von We are all photographers now liegt klar auf den Entwicklungen der letzten Jahre. Internetdienste wie Flickr oder Weblogs schaffen in Kombination mit der digitalen Kameratechnik völlig neue Vertriebs- und Präsentationswege in der Fotografie. Jeder kann seine Bildern einem Millionenpublikum zeigen, diskutieren, oder sogar damit Geld verdienen.
Vor allem im Bereich der Katastrophen- und Papperazzibilder ist nun jeder mit einer Digitalkamera oder einem Fotohandy für die Presse eine interessante Quelle. Sei es nun Britney Spears mit Glatze oder der Tsunami in Asien, die Redaktionen der Boulevardpresse reissen sich um diese Bilder. Die Ausstellung zeigt, wie die Agentur Scoopt damit Geld macht oder wie ein so renommiertes Medienunternehmen wie die BBC ein Team nur für die Beschaffung von solchem Material einsetzt.
Die Beispielbilder und interaktiven Installationen werden ergänzt durch Zitate und Gedanken zu der Amateurfotografie. Dabei erstaunt, wie schon vor Jahrzehnten viele der aktuellen Gegebenheiten vorweggenommen wurden. Schade ist, dass alle Texte nur in Französisch zu lesen sind. Ein Beiblatt mit englischen oder deutschen Übersetzungen würde die Ausstellung auch über den frankophonen Raum hinaus interessant machen. Insbesondere da die einzelnen Ausstellungsteile doch recht viel Vorwissen voraussetzten.
Neben der eigentlichen Ausstellung, die noch bis am 20. Mai läuft, organisiert das Museum diverse Diskussionsrunden. Fotografie-Grössen wie Martin Parr, Fred Ritchin oder Val Williams werden am 29. April im Musée Olympique in Lausanne anlässlich eines öffentlichen runden Tisches anwesend sein.
We are all photographers now
8. Februar bis 20. Mai 2007
Musée de l’Elysée, Lausanne
Bild: Keystone
