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Fotomuseum Winterthur: David Goldblatt

Posted By Alain Nicolas Lavanchy On 14th März 2007 @ 10:56 In An der Wand | Keine Kommentare

David Goldblatt - aus Particulars 2003Ein schwarzer Mann in einem verfleckten Karohemd, der auf der Wiese des Joubert Park in Johannesburg liegt. Den Kopf liegt auf der Hand. Macht er seinen Mittagsschlaf? Ist er obdachlos? Der südafrikanische Fotograf [1] David Goldblatt lässt uns im Ungewissen. Das Bild ist Teil der 2003 publizierten Serie „Particulars“. Sie ist exemplarisch für das dokumentarische und doch Stellung nehmende Schaffen von Goldblatt, dem aktuell im [2] Fotomuseum Winterthur eine Ausstellung gewidmet ist.

Bei „Particulars“ fotografierte Goldblatt Südafrikanerinnen und Südafrikaner, indem er ganz nahe an sie heran ging, dem Betrachter nur einen kleinen Ausschnitt des Körpers zeigt. Meist fokussiert Goldblatt auf das Zentrum des Menschen, den Bereich um den Bauchnabel mit den Hüften, den Unterarmen. Dabei wird der Mensch gleichwohl abstrahiert wie auch konkretisiert. Die Fotografien wirken durch ihre die gross abgebildeten Körperteile wie eine Grafik, während die Details, die Körperhaltung, die Kleidung viel über den porträtierten Menschen aussagen, seinen Status, seine Herkunft verraten.

Diese Mehrschichtigkeit zieht sich durch das gesamte Werk des 1930 in der Minenstadt Randfontein geborenen David Goldblatt. Der Sohn jüdisch-litauischer Emigranten entdeckt die Fotografie in seiner Jugend: „Die Fotografie befähigte mich, auf die Welt um mich herum zu blicken“. Mit der Wahlsieg der rechtsnationalistischen burischen National Party 1947 ist die sich Goldblatt präsentierende Welt geprägt von der Rassentrennung. Schon als Kind mit dem Antisemitismus konfrontiert, beginnt Goldblatt die Apartheid zu dokumentieren. Schnell merkt er, dass es weniger die Ereignisse selber sind, die ihn faszinieren, als die Ursachen, Werte und Ordnungen, welche diesen zu Grunde liegen.

In „Jo’burg People“, eine Serie von Strassenaufnahmen aus Johannesburg, beginnt David Goldblatt die Aufnahmetechnik und die Bildgestaltung so zu wählen, dass sich diese Hintergründe in den Fotografie perfekt widerspiegeln. Mal distanziert er sich von seinen Sujets, wird beim Essay „South Africa: The Structure of Things Then“ zu einem zurückhaltenden Ethnografen. Alleine die Landschaft und Architektur genügen, um auf die politischen Strukturen aufzuzeigen: die trostlosen Bauten in den Townships der Schwarzen oder die Zäune rund um die Farmen der Weissen.

In der Ausstellung werden die einzelnen, hauptsächlich in schwarzweiss fotografierten Bildstrecken durch farbige Landschaftsbilder unterbrochen. Das lockert die sonst angenehm ruhig gestaltete Ausstellung zwar auf, deren Bedeutung und Einordnung in das Werk bleibt dem Besucher jedoch verborgen. Bei einzelnen Essays hat Goldblatt in seinen eigenen gestalteten Bildbänden teils umfassende Erläuterungen zu den Fotografien geliefert. Leider werden diese in der Ausstellung dem Betrachter vorenthalten, wäre aber eine interessante Zusatzinformation gewesen.

David Goldblatt - aus Intersections 2006Das Ende der Ausstellung bilden schliesslich die Bilder aus der Serie „Intersections“. Mit ihr beginnt David Goldblatt 2003 erstmals in Farbe zu fotografieren. Seine Stadtansichten von Johannesburg haben eine visuelle Kraft, die man in der Städtefotografie selten sieht. Die Bilder umgeben eine Aura, als wäre das Leben kurz angehalten, alleine damit Goldblatt seine Aufnahmen machen kann. Auf eindrückliche Weise prangt er die aktuellen Probleme der Stadt an, die zunehmende Umweltverschmutzung, die sich ausbreitenden Armut die eine wirtschaftliche Rassentrennung auch nach dem Ende der Apartheid zur Folge hat. Gleichzeitig macht Goldblatt aber auch Hoffnung. Die schwarzen Bürgermeister in ihren Büros, stolze und selbstbewusste Arbeiter der Kläranlage sind Zeugen einer sich verändernden Gesellschaft.

Während viele andere Fotografen die Inspirationen für ihre Projekte und Essays auf Reisen und im Ausland suchen, ist es gerade das beständige Reflektieren von Südafrika, seinem Heimatland, dass die Bilder von David Goldblatt so stark und bewegend machen. Entstanden ist ein komplexes, dennoch kompaktes Lebenswerk mit einer eigenen Stärke, welches 2006 mit dem [3] Hasselblad-Award den renommiertesten Preis für Fotografie erhalten hat.

Die Ausstellung David Goldblatt ist noch bis am 20. Mai im Fotomuseum in Winterthur zu sehen. Zu der Ausstellung ist im Christoph Merian Verlag der Katalog erschienen, der noch mehr auf die von Goldblatt produzierten Fotobücher eingeht und mit einer umfassenden Biographie ergänzt ist.

David Goldblatt – Südafrikanische Fotografien 1952 – 2006
[4] Fotomuseum Winterthur
Kuratoren: Urs Stahel und Martin Parr
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11-18 Uhr, Mittwoch 11-20 Uhr, Montag geschlossen

Bilder
Oben: David Goldblatt aus “Particulars” 2003 - Schalfender Mann, Joubert Park, 1975
Unten: David Goldblatt aus “Intersections” 2006 - Überreste einer Toilettenanlage


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[1] David Goldblatt : http://de.wikipedia.org/wiki/David_Goldblatt
[2] Fotomuseum Winterthur : http://www.fotomuseum.ch/
[3] Hasselblad-Award : http://www.hasselbladfoundation.org/prize_about_en.html
[4] Fotomuseum Winterthur: http://www.fotomuseum.ch/

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