Mi 28 Mrz 2007
Der amerikanische Surfer und Amateurfotograf LeRoy Grannis ist vor allem innerhalb der Surfgemeine eine bekannte Grösse. Das erstaunt nicht, hat er sich doch zeitlebens ausschliesslich dem Fotografieren des Surfens gewidmet. Betrachtet man das Werk von Grannis in seiner Gesamtheit, wird deutlich, wie konsistent und visuell überraschend sei Schaffen ist.
Das Surfen wurde LeRoy Grannis praktisch in die Wiege gelegt. 1917 geboren und aufgewachsen im kalifornischen Hermosa Beach, war das Meer nur ein Steinwurf entfernt. Bereits mit 14 Jahren ritt er auf den sanften Wellen mit einem für die Zeit typischen Longboard. Dabei eiferte er den grossen Surfpionieren nach, wie John „Doc“ Ball oder Tom Blake. Blake war es dann auch, der die Surffotografie mit dem Bau einer wasserdichten Box für seine Grafilex-Kamera begründete. Gesundheitliche Probleme zwingen Grannis Mitte der sechziger Jahre dazu, sich als Ausgleich zu seinem Job vermehrt der Surffotografie zuzuwenden.
Anders als die wenigen anderen Surffotografen, dokumentierte LeRoy Grannis neben dem eigentlichen Surfsport und dessen neuen Trends in Richtung Geschwindigkeit und Extremsportart auch das Umfeld des Sportes. Entstanden ist dabei ein aufschlussreiches Dokument über den Wertewandel innerhalb der amerikanischen Gesellschaft. Während der Zeit des Vietnamkriegs und dem Aufkommen der Hippies hat sich auch der Surfsport grundlegend verändert. Ursprünglich waren die Wettkämpfe mit den Longboards das non-plus-ultra, das sich freundschaftliche Messen untereinander ein wichtiger Bestandteil. Nun waren es kurze Bretter, waghalsige Fahrten und nicht mehr die Wettbewerbe entschieden über Ruhm und Ehre, sondern wer am meisten Tricks auf Lager hatte.
Erstaunlich ist beim Werk von Grannis zudem, dass er in seiner Fotografie durchaus auch die Strömungen der Presse- und Kunstfotografie aufgenommen hat, teils sogar schon ein Schritt weiter gegangen ist. Die besten seiner Bilder sind durch und durch komponiert. Grannis hat dabei wahrlich im entscheidenden Moment abgedrückt. Die Welle und die Surfer bilden ein interessantes Spannungsfeld innerhalb eines gekonnten Bildaufbaus.
Zu entdecken ist das Werk von LeRoy Grannis in einem ihm gewidmeten Buch, welches vor kurzem im Taschen Verlag herausgekommen ist. Auf über 200 Seiten kommt trotz der Monothematik des Werkes kaum Langeweile auf. Zu verdanken ist dies vor allem Jim Heimann. Der an der Westküste lebende Grafiker und Autor hat mit dem Bildmaterial von Grannis eine interessante Choreografie im Buch geschaffen, vermag auch nach dem hundertsten Surfbild den Betrachter mit einem speziellen Bild noch zu überraschen. Zudem kommt das Buch in einem sehr sauberen Layout mit entsprechenden Druck daher und lädt ein, in das Archiv von LeRoy Grannis einzutauchen.
LeRoy Grannis - Auf der Jagd nach der perfekten Welle
Taschen Verlag, Köln
ISBN 978-3-8228-4859-3
Links
LeRoy Grannis bei Wikipedia
Bilder
Aus LeRoy Grannis - Auf der Jagd nach der perfekten Welle
